
Pokalkracher vor toller Kulisse: GWB verkauft sich teuer

Pokalkracher vor toller Kulisse: GWB verkauft sich teuer
Grün-Weiß Brauweiler unterliegt Drittligist Alemannia Aachen im Bitburger-Pokal – Landesligist hält gegen den hohen Favoriten aber lange ordentlich dagegen – Großartiger Vereinsabend im Ulrich-Haberland-Stadion
Am Ende stand zwar eine Niederlage auf der Anzeigetafel. Doch wer am Dienstagabend im Ulrich-Haberland-Stadion dabei war, der weiß: Dieses Ergebnis erzählt nur einen Teil der Geschichte eines tollen Pokalabends. Unsere Erste Herren-Mannschaft hat sich in der zweiten Runde des Bitburger-Pokals gegen Drittligist Alemannia Aachen über 90 Minuten teuer verkauft, leidenschaftlich gespielt und dem traditionsreichen Drittligisten einen großen Kampf geliefert. Auf den Rängen machte Grün-Weiß Brauweiler zudem aus einem Pokalspiel fernab der Heimat ein echtes Brauweiler Vereinsevent. Von der F-Jugend bis zu den Alten Herren waren Mannschaften, Trainer*innen, Eltern, Mitglieder und Freunde unseres Vereins nach Leverkusen gekommen. Gut zwei Drittel der Zuschauerinnen und Zuschauer unterstützten an diesem Abend ihre Grün-Weißen und sorgten dafür, dass sich das Ulrich-Haberland-Stadion zumindest ein bisschen wie ein Brauweiler Heimspiel anfühlte. Die ebenfalls zahlreich angereisten Aachen-Fans taten ihr Übriges zur tollen Atmosphäre im Schatten der großen BayArena. Und selbst einer der prominentesten ehemaligen GWB-Kicker wollte sich diesen Abend nicht entgehen lassen: Florian Wirtz verfolgte das Pokalspiel seines Jugendvereins vor Ort und drückte Grün-Weiß die Daumen. Nur wenige Tage zuvor hatteerdie deutsche Nationalmannschaft beim Länderspiel gegen Griechenland sgar als Kapitän aufs Feld geführt. Nun drückte er seinen alten Kollegen die Daumen.
Früher Rückstand – GWB antwortet beinahe sofort
Auf dem Platz machte Alemannia Aachen von Beginn an deutlich, dass der Drittligist seiner Favoritenrolle gerecht werden wollte. Die Schwarz-Gelben übernahmen sofort die Spielkontrolle – und benötigten nur drei Minuten für die Führung. Nach einem Eckball war Valmir Sulejmani zur Stelle und erzielte das 0:1. Doch wer nun befürchtete, unsere Mannschaft könne sich vom frühen Gegentreffer beeindrucken lassen, sah sich getäuscht. Nur drei Minuten später bot sich sogar die große Möglichkeit zum Ausgleich. Nach einem Brauweiler Eckball behauptete Matti Fiedler, der selbst bereits für Alemannia Aachen gespielt hat, den Ball im Strafraum, drehte sich und zog ab. Sein Schuss rauschte nur knapp am langen Pfosten vorbei. Es war die beste Brauweiler Torchance des Abends – und gleichzeitig ein frühes Zeichen dafür, dass GWB keineswegs nur zum Verteidigen nach Leverkusen gekommen war, sondern gewillt war, alles in die Waagschale zu werfen.
Aachen mit viel Ballbesitz – GWB arbeitet leidenschaftlich
Mit zunehmender Spielzeit zeigte sich erwartungsgemäß der Klassenunterschied, auch wenn man ihn zunächst mit der Lupe suchen musste. Aber Aachen ließ Ball und Gegner laufen, drängte Grün-Weiß tief in die eigene Hälfte und suchte geduldig nach Lücken. Unsere Mannschaft hielt mit großer Laufbereitschaft, Einsatz und einer geschlossenen Defensivleistung dagegen. Wieder und wieder wurden Räume zugelaufen und Aachener Angriffe gemeinsam verteidigt. Erst kurz vor der Pause gelang dem Drittligisten das zweite Tor. Einen zunächst geblockten Schuss nahm Fabio Torsiello außerhalb des Strafraums auf und traf in der 39. Minute zum 0:2. Mit diesem Zwischenstand ging es in die Kabinen. Dass der Favorit zur Halbzeit „nur“ mit zwei Treffern vorne lag, war auch Ausdruck einer Brauweiler Mannschaft, die sich in dieses ungleiche Duell warf und dem Gegner die Aufgabe so schwer wie möglich machte.
Auch nach der Pause kein Aufstecken
Nach dem Seitenwechsel erhöhte Alemannia noch einmal den Druck. Das Resultat: Ken Izekor umkurvte in der 53. Minute nach einem Zuspiel von Ermolaev unseren Torhüter Julian Roloff und schob zum vorentscheidenden 0:3 ein. Acht Minuten später war erneut Sulejmani zur Stelle und erhöhte mit seinem zweiten Treffer auf 0:4. Doch Grün-Weiß steckte immer noch nicht auf. Die Mannschaft arbeitete weiter, verteidigte gemeinsam und versuchte bis zum Schluss, eigene Akzente zu setzen. Erst in der 86. Minute fiel der letzte Treffer des Abends. Nach einem Foul im Strafraum entschied Schiedsrichter Nils Leichert auf Elfmeter, den der eingewechselte Mehdi Loune zum 0:5-Endstand verwandelte. Damit zog Alemannia Aachen verdient ins Achtelfinale des Bitburger-Pokals ein. Für die fünf Treffer der Gäste zeichneten Sulejmani zweimal sowie Torsiello, Izekor und Loune verantwortlich.
Mehr als nur ein Fußballspiel
Für Grün-Weiß war mit dem Schlusspfiff allerdings längst nicht nur eine Pokalreise beendet. Was von diesem Abend bleiben wird, sind vor allem die Bilder auf den Tribünen. Unsere jüngsten Fußballerinnen und Fußballer saßen wenige Meter entfernt von Spielern der Seniorenmannschaften und den Alten Herren. Ganze Jugendteams feuerten gemeinsam unsere Mannschaft an. So viele Eltern, Trainer*innen, Mitglieder, ehemalige Spieler und Freunde des Vereins machten sich auf den Weg nach Leverkusen. Von der F-Jugend bis zu den Alten Herren war GWB nahezu komplett vertreten. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir unser eigentliches Heimspiel nicht in Brauweiler austragen konnten, war diese Unterstützung etwas Besonderes. Polizei und Verband hatten einer Austragung auf unserer heimischen Anlage aufgrund der dort (nicht) vorhandenen Infrastruktur nicht zugestimmt. Deshalb musste der Verein für eines der größten Spiele seiner jüngeren Geschichte kurzfristig ein geeignetes Stadion finden. Was zunächst wie ein großer Nachteil wirkte, wurde am Ende zu einem außergewöhnlichen Vereinsabend. Denn nahezu ganz Brauweiler kam nach Leverkusen.
Ein riesiges Dankeschön an Bayer 04
Dass dieses Spiel überhaupt unter solchen Bedingungen stattfinden konnte, war alles andere als selbstverständlich. Unser besonderer Dank gilt deshalb Bayer 04 Leverkusen. Der Bundesligist stellte Grün-Weiß als Heimverein nicht nur das Ulrich-Haberland-Stadion zur Verfügung. Vielmehr unterstützten uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bayer 04 in den Tagen vor dem Spiel in nahezu allen organisatorischen Bereichen. Ob Kommunikation, Ticketing oder die konkrete Spieltagsorganisation: Bayer 04 unterstützte unseren Amateurverein auf eine Art und Weise, die man nur als überragend bezeichnen kann. Für einen Verein unserer Größenordnung ist die Organisation einer solchen Begegnung eine enorme und kaum zu stemmende Herausforderung. Viele Prozesse, die bei einem Profiklub zum normalen Spieltagsgeschäft gehören, sind für einen Amateurverein absolutes Neuland und echter Aufwand. Umso bemerkenswerter war die unkomplizierte, professionelle und jederzeit hilfsbereite Zusammenarbeit. Ohne die Unterstützung von Bayer 04 Leverkusen hätte dieser Pokalabend in dieser Form nicht stattfinden können. Dafür sagen wir ganz ausdrücklich nund ganz herzlich: Danke!
Ein besonderer Dank innerhalb unseres Vereins gilt zudem unserem Geschäftsführer Herbert Schmalz. Was die Zuschauerinnen und Zuschauer am Dienstagabend als gut organisierten Pokalabend erleben konnten, bedeutete hinter den Kulissen im Vorfeld viele Stunden Arbeit. Unzählige Abstimmungen, organisatorische Fragen, Gespräche und kurzfristige Entscheidungen waren notwendig, um das Spiel nach der Absage für Brauweiler nach Leverkusen zu verlegen und dort vernünftige Bedingungen für Mannschaften und Zuschauer zu schaffen. Herbert hat in den Tagen und Wochen vor der Partie einen erheblichen Teil dieser Arbeit übernommen und damit maßgeblich zum Gelingen dieses besonderen Abends beigetragen. Danke für diesen Einsatz!
Ein Pokalabend, der in Erinnerung bleibt
Natürlich tritt eine Mannschaft an, um ein Fußballspiel zu gewinnen. Und natürlich hätte sich jeder Grün-Weiße am Dienstagabend vielleicht noch das eine oder andere Tor unserer Mannschaft gewünscht. Aber manchmal erzählt Fußball Geschichten, die über das reine Ergebnis hinausgehen. Wenn die jüngsten Kicker unseres Vereins gemeinsam mit den Alten Herren auf der Tribüne stehen. Wenn ganze Mannschaften geschlossen zum Spiel fahren. Wenn zwei Drittel eines Stadions einem Landesligisten die Daumen drücken. Und wenn eine Mannschaft gegen einen Drittligisten 90 Minuten lang alles investiert und sich niemals aufgibt, dann bleibt am Ende deutlich mehr als eine ehrenvolle Niederlage. Es bleibt ein großer Abend für Grün-Weiß Brauweiler. Ein Abend, an dem unsere Erste unseren Verein auf dem Platz hervorragend vertreten hat – und an dem unser Verein auf den Rängen gezeigt hat, was Gemeinschaft bei GWB bedeutet.
Viel Erfolg, Alemannia!
Zum Abschluss bleibt uns, unserem sportlichen Gegner zu gratulieren. Alemannia Aachen zieht verdient ins Achtelfinale des Bitburger-Pokals ein. Wir bedanken uns bei Mannschaft, Verantwortlichen und Fans der Alemannia für einen fairen Pokalabend und wünschen den Schwarz-Gelben für die weitere Pokalsaison viel Erfolg. Und wenn unser eigener Pokaltraum schon beendet ist, dann halten wir es ab jetzt eben mit unserem Bezwinger: Mögen die Schwarz-Gelben den Pokal in die Kaiserstadt holen! Für unsere Mannschaft geht der Blick derweil wieder nach vorne. Am kommenden Sonntag erwarten die Jungs den FV Wiehl im Liga-Alltag und hoffen auf ähnliche Unterstützung wie an diesem Pokalabend: Die Erinnerung an diesen Abend darf sie aber auf alle Fälle schon einmal mitnehmen – ebenso wie die Gewissheit, sich gegen einen Gegner aus der 3. Liga absolut ordentlich präsentiert zu haben. Walk on! Nur die GWB!
Fotos: Jan Kischkewitz (Instagram: jfk_photography.de)